Brennholz selber machen: lohnt sich der Aufwand wirklich?
Ein Los im Wald ist schnell zugeteilt, die Arbeit danach dauert Wochenenden. Ob sich Selbstwerben rechnet, zeigt erst die vollständige Kalkulation samt Geräteanteil und Stunden. Hier steht sie, Posten für Posten.
Die Ergebnisse sind Richtwerte auf Basis physikalischer Kennzahlen und deiner Eingaben — keine Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 und keine Energieberatung. Lass Schornstein und Ofen vom Schornsteinfeger bzw. Fachbetrieb prüfen. Brennholz sollte vor dem Verbrennen ≤ 25 % Holzfeuchte haben (1. BImSchV) — idealerweise rund 15–20 %.
„Selber machen spart die Hälfte“ — das hört man an jedem Holzplatz, und meistens stimmt es sogar. Nur: die Hälfte wovon? Eine ehrliche Selbstwerber-Rechnung stellt dem Preis für ofenfertig geliefertes Holz nicht nur den Betrag für das Los gegenüber, sondern auch Kraftstoff und Kettenverschleiß, den anteiligen Wert von Säge, Spalter und Anhänger, den Motorsägenkurs samt Schutzausrüstung — und die eigene Zeit. Erst dann steht fest, ob sich der Aufwand lohnt und was du dir dabei pro Stunde selbst zahlst.
Die kurze Antwort
Bei den reinen Ausgaben gewinnt Selbstwerben fast immer, oft deutlich: Die Selbstkosten je Raummeter liegen meist bei einem Bruchteil dessen, was ofenfertig geliefertes Hartholz kostet. Sobald du deine Arbeitszeit mit einem Stundenlohn bewertest, wird es knapp — dann entscheidet alles daran, wie viele Stunden ein Raummeter frisst. Als Erfahrungsbereich aus der Praxis gilt: drei bis sechs Stunden je Raummeter, vom liegenden Stamm bis zum fertigen Stapel, inklusive Transport und Aufräumen. Wer geübt und gut ausgerüstet arbeitet, liegt am unteren Rand; wer mit Handspaltaxt am Steilhang anfängt, deutlich darüber. Die Rechnung unten macht daraus eine konkrete Zahl.
Die vier Kostenblöcke
Wer sauber kalkulieren will, sortiert die Ausgaben in vier Töpfe. Nur der erste ist offensichtlich:
- Holz am Stamm oder als Polter. Der Betrag, den du dem Waldbesitzer oder Forstbetrieb für dein Los zahlst — je nach Aufarbeitungsgrad und Region völlig unterschiedlich, deshalb im Rechner ein Eingabefeld und keine feste Zahl.
- Betriebskosten der Aktion. Kraftstoff und Kettenöl, Ketten schärfen oder ersetzen, Spaltkeile, Sprit für Anhängerfahrten, gegebenenfalls Leihgebühr für Spalter oder Seilwinde.
- Geräteanteil. Motorsäge, Spalter, Sappie, Anhänger — Anschaffungen, die über viele Jahre halten und deshalb anteilig auf die Saison gehören, nicht komplett in ein Jahr.
- Qualifikation und Schutz. Motorsägenkurs, Schnittschutzhose, Helm mit Visier und Gehörschutz, Sicherheitsschuhe, Handschuhe. Einmalige Ausgaben mit mehrjähriger Nutzung — also ebenfalls anteilig.
Der Selbstwerber-Rechner hat Felder für Los, Betriebskosten und Arbeitszeit. Geräte- und Kursanteil rechnest du vorher aus und schlägst sie den Betriebskosten zu — genau das macht das folgende Beispiel vor.
Rechenbeispiel: 7,5 Raummeter Buche in Eigenregie
Angenommen, du brauchst 7,5 Rm Buche für die Saison. Ofenfertig geliefert würden sie in diesem Beispiel 118 € je Raummeter kosten, also 7,5 × 118 = 885 €. Die Zahlen sind Annahmen für die Rechnung, keine Marktangabe — setze im Rechner deine eigenen ein. Als Selbstwerber fallen an:
- Los am Stamm: 265 €
- Sprit, Kettenöl, zweimal Kette schärfen: 74 €
- Geräteanteil: Motorsäge 590 € auf 10 Jahre = 59 €/Jahr, Spaltwerkzeug 130 € auf 10 Jahre = 13 €/Jahr, Anhängerfahrten pauschal 20 € — zusammen 92 €
- Kursanteil: Motorsägenkurs 195 €, über 7 Jahre gerechnet = 28 €
Summe: 265 + 74 + 92 + 28 = 459 €. Daraus folgen die Selbstkosten je Raummeter:
459 € / 7,5 Rm = 61,20 €/Rm
Die Ersparnis gegenüber dem Kauf beträgt 885 − 459 = 426 €. Bezogen auf den Raummeter sind das rund 56,80 € weniger als beim Kauf — knapp die Hälfte, die Faustregel vom Holzplatz stimmt also. Vorausgesetzt, die eigene Zeit zählt nicht mit.
Was ist deine Stunde wert?
Hier wird die Rechnung interessant. Setzt du 4,5 Stunden je Raummeter an — ein realistischer Mittelwert für Kettensäge, Spalter und Stapeln —, brauchst du für 7,5 Rm rund 7,5 × 4,5 = 33,75 Stunden. Die Ersparnis auf diese Stunden umgelegt:
426 € / 33,75 h = 12,62 €/h
Rund zwölfeinhalb Euro pro Stunde, brutto wie netto, steuerfrei, an der frischen Luft. Ob das ein guter Deal ist, entscheidet jeder selbst — es ist aber eine ehrlichere Zahl als „ich spare 426 Euro“. Wer Säge, Spalter und Kurs bereits besitzt und beides ohnehin nutzt, lässt Geräte- und Kursanteil weg: dann sind es 265 + 74 = 339 € Selbstkosten, 45,20 €/Rm, eine Ersparnis von 546 € und damit 546 / 33,75 = 16,18 €/h. Und wer nur zwei Stunden je Raummeter braucht, weil ein hydraulischer Spalter und ein Helfer dabei sind, kommt auf über 28 €/h. Die Ausrüstung entscheidet nicht über die Ersparnis, sondern über den Stundenlohn.
Geräte ehrlich anteilig rechnen
Der häufigste Fehler in Selbstwerber-Rechnungen: die Motorsäge landet komplett im ersten Jahr — oder gar nicht. Beides ist falsch. Die saubere Formel lautet:
Jahresanteil = Anschaffungspreis / erwartete Nutzungsjahre
Eine Säge für 590 €, die zehn Saisons hält, kostet 59 € im Jahr. Verteilt auf 7,5 Rm sind das 7,87 € je Raummeter — spürbar, aber kein Beinbruch. Bei einem hydraulischen Spalter für 1.400 € über zehn Jahre wären es 140 €/Jahr, also 18,67 €/Rm. Ob sich das lohnt, hängt an der Menge: Gegen eine Tagesmiete rechnet sich der eigene Spalter erst, wenn du ihn mehrmals im Jahr brauchst oder er auch bei Nachbarn und Verwandten läuft. Faustregel: unter etwa fünf Raummetern im Jahr mieten, darüber und bei regelmäßigem Einsatz kaufen.
Die Posten, die in keiner Rechnung stehen
Vier Dinge werden systematisch vergessen — und alle vier kosten:
- Mehrfaches Handling. Selbstgemachtes Holz wird angefasst, bis es qualmt: im Wald sägen, aufladen, abladen, spalten, stapeln, nach zwei Jahren zum Ofen umsetzen. Gekauftes Holz wird einmal abgekippt. Diese Handgriffe stecken in den Stunden, nicht in den Euro.
- Der Lagerplatz ist über Jahre belegt. Frisch gemachtes Hartholz ist nicht ofenfertig. Wie lange es braucht, sagt der Trocknungsdauer-Rechner; wie viel Stapelplatz du dafür brauchst, der Stapelplatz-Rechner. Wer selbst macht, braucht Platz für zwei bis drei Jahrgänge gleichzeitig.
- Vorfinanzierung. Du zahlst das Los heute und heizt damit in zwei Wintern. Wer knapp kalkuliert, braucht im Übergangsjahr trotzdem gekauftes Holz — der Umstieg auf Selbstwerbung kostet also einmalig doppelt.
- Schwund. Frisch aufgesetzte Raummeter schrumpfen beim Trocknen um einige Prozent, weil das Holz Wasser verliert und kompakter wird. Wer den Bedarf knapp bemisst, steht im dritten Winter mit weniger Raummetern da, als er aufgeschichtet hat.
Wann Selbstwerben klar gewinnt
- Du hast günstigen Zugang zu einem Los, kurze Wege und einen Platz zum Lagern.
- Säge, Spalter, Anhänger und Kurs sind vorhanden und werden ohnehin genutzt.
- Du brauchst größere Mengen — die Fixkosten verteilen sich auf mehr Raummeter.
- Die Arbeit selbst hat für dich einen Wert: Bewegung, Ausgleich, Unabhängigkeit vom Lieferanten.
Wann du besser kaufst
- Du brauchst nur ein bis zwei Raummeter im Jahr für den Kaminofen. Kurs, Ausrüstung und Geräte lassen sich auf so wenig Holz nicht sinnvoll umlegen.
- Es fehlt der Lagerplatz für mehrere Jahrgänge oder die Trockenzeit vor dem ersten Winter.
- Die Anfahrt zum Los ist weit oder das Gelände schwierig — beides frisst Stunden, die den rechnerischen Stundenlohn ruinieren.
- Du willst das Holz sofort ofenfertig. Dann zählt der Preis je Kilowattstunde, und den vergleichst du mit dem Holzpreis-Vergleich.
Sicherheit ist kein Sparposten
Die Waldarbeit ist der gefährlichste Teil der ganzen Rechnung, und sie ist der einzige Posten, an dem sich nicht sparen lässt. Schnittschutzhose, Helm mit Visier und Gehörschutz, Sicherheitsschuhe und Handschuhe sind Pflichtausrüstung, kein Zubehör. Ein Motorsägenkurs wird für die Selbstwerbung vielerorts verlangt und ist auch dort sinnvoll, wo er nicht gefordert wird — er kostet einmal knapp zweihundert Euro und über die Jahre ein paar Euro je Raummeter. Grundsätzlich gilt: niemals allein im Bestand arbeiten, Hänger und aufgehängte Bäume den Profis überlassen, bei Wind aufhören. Materialschäden sind ärgerlich, Personenschäden beenden die Rechnung. Praxisnahe Hinweise zur sicheren Waldarbeit veröffentlichen die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) und das Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik (KWF).
Fazit
Selbstwerben spart Geld, aber es kauft dieses Geld mit Zeit. Die Rechnung wird ehrlich, wenn du drei Dinge einbeziehst: den anteiligen Wert deiner Geräte, die einmaligen Kosten für Kurs und Schutzausrüstung und die Stunden, die vom Los bis zum fertigen Stapel vergehen. Teile die Ersparnis durch diese Stunden — die Zahl, die herauskommt, ist die einzige, die eine Entscheidung trägt. In unserem Beispiel waren es 12,62 € je Stunde bei voller Kostenrechnung und 16,18 €, wenn die Ausrüstung ohnehin im Schuppen steht. Rechne dein eigenes Los im Selbstwerber-Rechner durch, prüfe mit dem Preisvergleich in €/kWh die Alternative auf dem Markt, und leite den Mengenbedarf vorher aus dem Brennholzbedarf-Rechner ab — dann kaufst oder sägst du die richtige Menge und nicht die bequeme.
Die verwendeten Umrechnungen und Holzkennwerte folgen den Veröffentlichungen der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR); Preise setzt du selbst ein, weil sie regional und saisonal zu verschieden sind, um sie festzuschreiben.